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In den letzten Jahren haben sich aus dem Familienstellen die sogenannten „Bewegungen der Seele“ oder auch das „Gehen mit dem Geist“ entwickelt. Was ist darunter zu verstehen? In manchen Aufstellungen kommen die StellvertreterInnen in eine Bewegung, die sie nicht mehr bewusst steuern. Sie lassen ihre eigenen Erfahrungen hinter sich und bleiben ganz in der Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. Aus den sich zeigenden „Bewegungen der Seele“ ergeben sich, wenn sie wahrgenommen werden und sich die Teilnehmenden ihnen anvertrauen, Lösungen, die oft nicht vorhersehbar waren. Sie werden – wenn sie gelingen – im Einklang mit einer größeren Kraft, die größer ist als wir selbst, gefühlt und erlebt. Durch die „Bewegungen der Seele“ kommen Ereignisse und wirkende Wirklichkeiten aus dem aufgestellten System chronologisch ans Licht. Chronologisch bedeutet, dass die Ereignisse sich in den Zeiten und in der Ereignisabfolge in den „Bewegungen der Seele“ abbilden wie sie (wie ich mittlerweile hundertfach bestätigt bekommen habe) sich in der vergangenen Realität vollzogen haben. Die Bewegungen kommen in der Aufstellung (zuvorderst die am stärksten wirkende Kraft) unausweichlich wieder zu den Ereignissen, die den innewohnenden Fluss von „Liebe“ des Systems unterbrochen haben. Es ist wahrzunehmen, dass manche Bewegungen aus eigener Kraft nunmehr zu einer heilenden, aussöhnenden Bewegung sich vollenden – und damit Lösendes und Friedenbringendes für das System einleiten; andere bedürfen der minimalen Unterstützung des Therapeuten, der den Prozess wieder zum Fließen bringt und sich dann zurückzieht. In den „Bewegungen der Seele“ werden keine Lösungen durch den Therapeuten hergestellt, sondern sie vollziehen sich aus sich selbst – im Einklang mit den Seelenkräften des Systems. Wir kommen mit einer heilenden Kraft, wenn es uns gegeben ist, in tiefe Seelenberührung, die die Kraft besitzt zu wandeln und zu heilen. Dies geschieht, wie wir immer wieder sehen, nur mit einer absichtslosen, demütigen Haltung dem uns dann entgegenkommenden Ziel gegenüber. Allgemein verdichten die „Bewegungen der Seele“ das Familienstellen; beide Ansätze ergänzen und bedingen einander. Als therapeutische Arbeit ist sie im Wesenskern gewaltfrei und stellt sich in den Vollzug des Lebens als Ganzes. In letzter Zeit hat Bert Hellinger die Aufstellungsarbeit in einen philosophischen Hintergrund gestellt und ihn daraufhin reflektiert. Er sieht die gesamten Bewegungen der Menschen und der Seele als eine Reflektion des Geistes und kommt aus seiner Erfahrung zu dem Schluss, dass die Bewegung, die all dem zugrunde liegt, eine Bewegung des Geistes (durchaus im Sinne eines größeren Geistes) darstellt. Folgerichtig benennt er dies mit dem „Gehen mit dem Geist“ und ordnet seine Arbeit in den Bereich der Lebenshilfe ein. Für mich selbst liegt die größte Kraft in den von mir geleiteten Aufstellungen in der Wahrnehmung des gegenwärtigen Momentes. Dort zeigen sich, im Einklang mit dem System und seinen Ereignissen, Wahrheiten, Wandlung und Heilung, wenn sie gegeben werden. Sie werden geschenkt und sind mit offenem Herzen annehmbar. Sie sind vom Wesen her eine Erfahrung, die sich vollzieht und die wir durch die Aufstellung nur vorbereiten können. Es steht uns frei, sie zu nehmen. Auch zeigt sich, dass unser großes, kleines „Ich“ seine Grenze erkennt und wir uns eingebunden erleben in größere Wirkungszusammenhänge und Rhythmen.
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